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Zertifikate

GOTS-zertifiziert: Was das Siegel bedeutet und was nicht

ORGANICATION RedaktionAktualisiert: 16.10.20264 Min. Lesezeit
GOTS-zertifiziert: Was das Siegel bedeutet und was nicht

GOTS ist eines der bekanntesten Siegel für Kleidung aus Bio-Fasern. Es sagt dir einiges, aber nicht alles. Hier liest du, was hinter dem Global Organic Textile Standard steckt, wie du ein echtes Zertifikat erkennst und wo seine Grenzen liegen.

Auf einen Blick

  • GOTS steht für Global Organic Textile Standard und gilt für Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern.
  • Label „organic“: mindestens 95 % Bio-Fasern. Label „made with organic“: mindestens 70 %.
  • Geprüft werden die Verarbeitungsstufen: Chemikalien, Abwasser und soziale Mindestkriterien.
  • Echt ist ein Zertifikat erst mit Angabe der Zertifizierungsstelle und Lizenznummer.

Was GOTS ist

Der Global Organic Textile Standard wurde von mehreren Organisationen aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Japan gemeinsam entwickelt und wird international angewendet. Er legt fest, wie Textilien aus Bio-Fasern verarbeitet werden müssen, damit sie das GOTS-Siegel tragen dürfen. Die Kriterien sind öffentlich, und die Einhaltung kontrollieren unabhängige, akkreditierte Zertifizierungsstellen.

Wichtig zu wissen: Der Anbau der Baumwolle selbst wird nach Bio-Landbau-Regeln zertifiziert, etwa nach der EU-Öko-Verordnung. GOTS setzt danach an und begleitet die Faser durch die Kette: Entkörnen, Spinnen, Stricken oder Weben, Färben, Nähen, bis zum Händler, der die Ware verkauft.

Die wichtigsten Kriterien

Bio-Anteil

Es gibt zwei Kennzeichnungsstufen. Steht auf dem Etikett „organic“ oder „bio“, müssen mindestens 95 % der Fasern aus biologischem Anbau stammen. Bei „made with organic“ sind es mindestens 70 %. Der Rest darf aus bestimmten anderen Fasern bestehen, zum Beispiel Elasthan für Dehnbarkeit. Gentechnisch veränderte Pflanzen sind ausgeschlossen.

Chemikalien und Abwasser

Alle eingesetzten Farbstoffe und Hilfsmittel müssen die GOTS-Anforderungen erfüllen. Verboten sind unter anderem toxische Schwermetalle, Formaldehyd und Azofarbstoffe, die bedenkliche Amine freisetzen können. Nassverarbeitende Betriebe wie Färbereien brauchen eine funktionierende Abwasserbehandlung und ein Umweltmanagement.

Soziale Mindestkriterien

Die zertifizierten Betriebe müssen Sozialkriterien einhalten, die sich an den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO orientieren: kein Kinder- und keine Zwangsarbeit, Vereinigungsfreiheit, sichere Arbeitsbedingungen, geregelte Arbeitszeiten und keine Diskriminierung.

Rückverfolgbarkeit

Jede Verarbeitungsstufe muss selbst zertifiziert sein. Wird Ware weitergegeben, belegen Transaktionszertifikate, dass es sich um zertifiziertes Material handelt. So lässt sich der Weg der Ware dokumentieren.

So erkennst du ein echtes GOTS-Zertifikat

„Organic“, „natural“ oder „bio“ allein sind keine Belege. Bei einem echten GOTS-Artikel findest du das Logo zusammen mit dem Namen der Zertifizierungsstelle und einer Lizenznummer. Mit diesen Angaben kannst du in der öffentlichen Datenbank auf der GOTS-Website prüfen, ob das Unternehmen zertifiziert ist und für welche Produktgruppen.

Achte außerdem darauf, wofür das Siegel gilt. Ein Zertifikat gilt immer für konkrete Produkte, nicht pauschal für eine ganze Marke. Bei ORGANICATION sind die Artikel je nach Material nach GOTS, OCS, GRS, RCS oder RWS zertifiziert. Welcher Standard für welchen Artikel gilt, steht auf der Produktseite im Tab „Produktion“. Eine Übersicht gibt es auf der Seite Zertifikate.

GOTS im Vergleich zu anderen Siegeln

Andere Siegel haben andere Schwerpunkte. Die Übersicht ist vereinfacht und ersetzt nicht den Blick in die jeweiligen Kriterien.

Siegel Prüft vor allem Bio-Fasern nötig
GOTS Bio-Anteil, Chemikalien, Abwasser und Sozialkriterien in der Verarbeitung ja, mind. 70 %
OCS Bio-Anteil und Rückverfolgbarkeit der Faser ja
OEKO-TEX® STANDARD 100 Schadstoffe im fertigen Produkt nein

OCS, also der Organic Content Standard, ist schlanker als GOTS: Er bestätigt den Bio-Anteil und die Rückverfolgbarkeit, enthält aber keine eigenen Vorgaben zu Chemikalien oder Sozialstandards. Was die anderen Zertifikate auf unseren Etiketten bedeuten, erklärt der Überblick über GOTS, OCS, GRS, RCS und RWS.

Was GOTS nicht abdeckt

GOTS ist ein guter Anhaltspunkt, aber kein Rundum-Urteil. Es ist kein Fair-Trade-Siegel mit Mindestpreisen für Bäuerinnen und Bauern. Und es sagt nichts über Schnitt, Qualität oder darüber, wie lange du ein Teil tragen wirst. Dafür lohnt sich ein Blick auf Verarbeitung, Pflegehinweise und darauf, wie offen eine Marke über ihre Produktion informiert.

Häufige Fragen

Ist GOTS-Kleidung zu 100 % aus Bio-Baumwolle?

Nicht unbedingt. Mit dem Label „organic“ sind es mindestens 95 % Bio-Fasern, mit „made with organic“ mindestens 70 %. Die genaue Zusammensetzung steht auf dem Etikett.

Wie prüfe ich, ob ein Zertifikat gültig ist?

Notiere dir Zertifizierungsstelle und Lizenznummer und suche das Unternehmen in der öffentlichen Datenbank auf der GOTS-Website.

Sind alle ORGANICATION-Artikel GOTS-zertifiziert?

Nein. Je nach Material gilt GOTS, OCS, GRS, RCS oder RWS. Die Angabe findest du auf der jeweiligen Produktseite im Tab „Produktion“.